Hans Georg Bart
Wysserain 5
3257 Grossaffoltern
bart.friederich (at) bluewin.ch
032 389 25 56
Porträt Hans Georg Bart
„Eigentlich bin ich kein Landwirt. Ich bin nur ein halber Bauer und eigentlich ein Intellektueller“, stellt sich Hans Georg Bart vor. Er empfängt an diesem Samstag im Juli eine vom DEZA eingeladene Delegation kubanischer landwirtschaftlicher BeraterInnen. Diese sind daran interessiert, in der Schweiz Kleinbetriebe kennen zu lernen. Und einen solchen führt Hans Georg durchwegs: Mit 0.3ha – oder genau: 33a – erscheint der Betrieb nicht einmal in der landwirtschaftlichen Statistik. Ein „grosser Pflanzblätz“, ein „mehr besserer Gemüsegarten“ sei es, erzählen Leute, die den Betrieb kennen. Dieser wirft jährlich einen Gewinn von 5'000 Franken ab – ohne dass Hans Georg sich vorher einen Lohn ausbezahlt hätte. Er bezeichnet sich selbst als „Poor Worker“ und betont, dass seine Gemüseproduktion zwar sehr arbeitsintensiv sei, aber nicht viel materiellen Ertrag abwerfe. Vom Gemüse allein lebt die dreiköpfige Familie also nicht. Deshalb unterrichtet Hans Georg zu 30% Deutsch für Migrantinnen und Migranten in Bern. Mit seiner Partnerin Margaretha teilt er sich die Haushaltsarbeit und die Betreuung ihrer Tochter Aurelia. Margaretha – welche sich ausdrücklich nicht an der Gemüseproduktion beteiligt – arbeitet als Kindergärtnerin in Biel.
Trotzdem baut Hans Georg nun seit 20 Jahren in Vorimholz/Grossaffoltern Gemüse an. Auf seinen 33a wachsen mehr als 40 Sorten Biofreilandgemüse, darunter viele alte Sorten, wie beispielsweise der Neuseeländerspinat: „Er ist zwar sehr geschmacksvoll, kann aber nicht maschinell geerntet, sondern muss von Hand gezupft werden. Deshalb wird er kaum angebaut“, erklärt Hans Georg. Im Kartoffelbeet wachsen mehr als 10 Sorten Kartoffeln auf engstem Raum – kaum mehr als 1m2 pro Sorte stehen zur Verfügung. Neben dem Freilandgemüse auf dem gepachteten Land pflegt Hans Georg die Hostet von Margarethas Mutter. Dort wachsen 30 Hochstammbäume, vor allem Apfelbäume und einige Quitten-, Zwetschgen- und Pflaumenbäume. Die Äpfel und Quitten verarbeitet Hans Georg zu Most. Zur Selbstversorgung mit Eiern hält sich Hans Georg zudem einige Appenzeller Barthühner, eine alte Schweizer Rasse.
Beim Anbau setzt Hans Georg auf Mischkultur und die Erhaltung alter Sorten und lässt sich von Ansätzen wie der Permakultur inspirieren. Permakultur bezeichnet die Planung, Entwicklung und Bewirtschaftung integrierter, sich selbst entwickelnder Systeme aus mehrjährigen und sich selbst vermehrenden einjährigen Pflanzen und Tierarten. Die Systeme stehen im Einklang mit den jeweiligen Umweltbedingungen und beziehen soziale Aspekte wie die Bedürfnisse ihrer NutzerInnen und unterschiedliche Erwartungen der Menschen an die Nutzung ihrer Lebensräume mit ein. Vor allem experimentiert er aber nach eigenem Gutdünken und Wissen. Ständig testet er neue Dinge, überlegt sich, welche Kulturen sich gut kombinieren lassen, wie Synergien genutzt werden können. So ist er beispielsweise auf die Kombination Spargel und Koriander gekommen: Wenn im Juni der Spargel spriesst und nicht mehr geerntet werden kann, pflanzt Hans Georg Koriander dazwischen. Dieser konkurriert mit seiner langen, geraden Wurzel den Spargel nicht, lockert aber den Boden gut auf und sorgt dafür, dass nicht gejätet werden muss.
Der Maschinenpark des Betriebs besteht aus einem Radhackgerät, einer kleinen motorisierten, von Hand geführten Hacke. Sein wichtigstes Arbeitsgerät ist aber die Realhacke, ein kleines, einfaches Bodenbearbeitungsgerät, welches von Hand geführt wird und den Oberboden schonend auflockert. Die viele Handarbeit zahlt sich ökologisch aus: Jährlich werden für die gesamte Bearbeitung nur etwa 150 L Benzin verbraucht. Hans Georg legt Wert darauf, möglichst ohne Hilfsmittel zu produzieren, möglichst unabhängig von fossilen Ressourcen zu arbeiten und möglichst wenig Düngung zu verwenden.
Lange Zeit bewirtschaftete Hans Georg sein Land alleine. Seit drei Jahren bietet er an drei Tagen pro Woche einen geschützten Arbeitsplatz an und seit neuerem erhält er zudem einmal wöchentlich zusätzlich Unterstützung einer ehemaligen Schülerin. Hans Georg sieht in diesen Arbeitsverhältnissen nicht bloss den ökonomischen Aspekt, sondern ebenso eine soziale Funktion, welche seine Gemüseproduktion wahrnimmt.
Nach der Besichtigung des Landes und der Produktion wird die kubanische Delegation in der Stube des Stöcklis, welches Barts bewohnen, zum Zmittag geladen. Wir lassen uns die verschiedenen frischen, teilweise unbekannten Gemüse schmecken – jetzt, wo wir wissen, wie sie produziert wurden, munden sie besonders fein.





