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Kathrin und Alexander Marti

Vogelsang 612
3255 Rapperswil

biohof.marti (at) bluewin.ch

031 879 00 71

Porträt Biohof Marti

Der Hof von Kathrin und Alexander Marti gehört zum Weiler Vogelsang der Gemeinde Rapperswil. Steil geht es den Buechwald hoch, bevor man auf die Rodungsinsel auf dem Rapperswiler Plateau gelangt. Hier lebten ursprünglich Tagelöhner – Steinmetze und Maurer – in ihren Taunerhöfen. Der erste Kaufbrief des Marti-Hofes geht auf die 1780er Jahre zurück. Heute betreiben Martis Ackerbau, Milchkuhhaltung und Obstbau.

Kathrin und Alexander haben den Landwirtschaftsbetrieb 1987 von Alex’ Eltern gekauft und auf Bio umgestellt. Die Umstellung auf biologischen Landbau erfolgte „aus Überzeugung, inspiriert durch die zweite grüne Revolution“, meint Kathrin. Sie wollten damals „unabhängig sein von der Landwirtschaftspolitik und vom Preisdiktat“. Seit fünf Jahren bewirtschaften Martis zudem nach dem amerikanischen Biolabel NOP (National Organic Program), welches insbesondere bei der Milchkuhhaltung strengere Richtlinien aufstellt als Bio Suisse.

Auf dem Hof leben neben Kathrin und Alexander die Eltern von Alexander. Die beiden erwachsenen Kinder Simon und Helene sind bereits ausgeflogen. An den Wochenenden sind sie aber häufig auf dem Hof ihrer Eltern anzutreffen und arbeiten regelmässig im Betrieb mit. Zudem beschäftigen Martis zwei Tage in der Woche einen Agronomiestudenten. Lernende hingegen arbeiten keine mehr im Betrieb mit. Die anfallende Arbeit teilen sich Kathrin und Alex gemeinsam auf. Auf die Arbeitsteilung angesprochen meint Kathrin, dass sie ausser beim Ackerbau, welcher mehr in Alexanders Verantwortung liegt, keine Bereiche zugeordnet haben und sich auch die Hausarbeit aufteilen.

Martis führen ihren Landwirtschaftsbetrieb im Haupterwerb, arbeiten aber beide zusätzlich extern: Kathrin arbeitet zwei Tage auf dem Sekretariat einer NGO, Alexander als Lohnmähdrescher und Lehrlingsprüfer. Zudem bringt ihnen die Bewirtschaftung der Gemeindegrünabfuhr etwas zusätzliches Einkommen.

Mit rund 17ha Land liegt der mittelgrosse Familienbetrieb im Schweizer Durchschnitt. Hauptstandbein ist zurzeit die Milchkuhhaltung. Im Laufstall finden 26 Tiere (20 Milchkühe und sechs Rinder) Platz. Der Laufstall wurde 1996 für 20 Tiere neu erstellt. Bald wurde er erweitert, weil ein Milchkontingent dazugemietet wurde. Die Milch wird zweitäglich vom Biomilch-Pool abgeholt.

Ein Teil des Ackerbaus dient der Fütterung der Tiere: Neben Gras, welches als Grünfutter, Silage und Heu verfüttert wird, bauen Martis Mais, Hafer und Soja an. So kommen sie ohne Zukauf von Futter aus. Das Soja ist eine Sorte aus eigener Zucht, die „Sorte Vogelsanger“, erzählt Kathrin nicht ohne Stolz. Früher lieferten sie die Sojabohnen an eine Tofurei, heute werden sie den Kühen und Rindern verfüttert. Martis träumen aber wieder vom Vogelsanger Tofu: „Vielleicht könnte das ja unser Sohn Simon mal machen“. Neben dem Futterbau bauen sie Kartoffeln, Weizen und Dinkel für den Verkauf an.

Weiter ziert eine Hostet mit 50 bis 60 Obstbäumen, vor allem Äpfeln, die Weide. Obwohl das Obst finanziell einen geringen Stellenwert der Produktion einnimmt, hängt Alexander sehr an den Hochstammbäumen und pflegt sie aufwändig von Hand. Die Äpfel (u.a. Sauergrauech und Gravensteiner) werden teilweise verkauft und teilweise zu Most verarbeitet. Ebenso zum Land  gehören rund 9 ha Wald, dessen Holz als Brenn- und Bauholz verkauft wird.

Die Kartoffeln und Äpfel liefern Martis nach Bern in den Hallerladen und in einen Hofladen nach Uettligen. Kleine Mengen verkaufen sie auch ab Hof. In den Gemüsekörben von Soliterre fanden wir bisher „nur“ Kartoffeln von Martis. Sie seien im Moment noch „ein etwas schlafender Produzent“ von Soliterre, meint Kathrin. Dies könnte sich aber bald ändern:

Während der Traum vom eigenen Tofu zurzeit mehr eine Vision ist, verfolgen Martis ein anderes Projekt ganz konkret: Im Herbst werden sie eine Tafel-Kirschenplantage setzen. „Kirschen“, so Kathrin, „sind die Königsdisziplin im Obstbau“. Weil sie so anfällig sind, gibt es auch konventionell nur wenig auf dem Markt und Bio-Tafelkirschen sind noch viel seltener: Im Bernbiet werden Martis zu den drei einzigen Betrieben, welche Biokirschen anbauen und so zu den Pionieren gehören. Die erste Haupternte können sie voraussichtlich im vierten Standjahr lesen. Die Kirschen sollen die Milchkuhhaltung als Hauptstandbein ersetzen.

Grund für die geplante Betriebsumstellung ist die Arbeitsintensität der Milchproduktion. Mit Blick auf die Hofübergabe an ihre Kinder mussten sich Martis etwas einfallen lassen: Beide Kinder wollen nicht melken, da dies sehr zeitintensiv und an fixe Zeiten gebunden ist. Trotz der Wehmut beim Gedanken, ihre Milchkühe aufzugeben, freuen sich Kathrin und Alex auf mehr Flexibilität, Unabhängigkeit und genügend Erholungspausen.